Mother to Mother: Mxolisi - freier Wille oder Determinismus?

Wer in Hessen bald sein Englisch-Abitur macht, wird sich bei der Lektüre von Sindiwe Magona’s Roman Mother to Mother früher oder später fragen, ob die Art und Weise, in der Mandisa die Welt des Täters geschreibt, nicht klingt wie ein Entschuldigung seines Verhaltens und wie eine Relativierung des Mords an der weißen Studentin. In diesem Artikel will ich dir zwei Konzepte aus der Soziologie vorstellen, die dir bei Analysen und Kommentaren (und vielleicht ja auch in den Abiturklausuren) helfen werden, Mxolisi’s Handeln und Mandisa’s Darstellung davon zu bewerten.

Determinismus

Unter Determinismus versteht man, dass Ereignisse durch Vorbedingungen unabwendbar vorherbestimmt sind. In Mother to Mother könnte man also argumentieren, Mxolisi’s Leben im Township, seine fehlende Schulbildung, die Abwesenheit des Vaters, fehlende Aufsteigschancen in der Gesellschaft führen alle dazu, dass es unausweichlich ist, dass Mxolisi zum Straftäter wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Vorahnungen die im Roman geäußert werden, z.B. von Lungile.

Freier Wille

Das Gegenstück zum Determinismus ist der freie Wille. Die Idee ist, dass der Mensch die Fähigkeit hat, aus verschiedenen Wahlmöglichkeiten bewusst eine Entscheidung zu treffen und dass der Mensch in dieser Wahl frei ist. Bezogen auf Mother to Mother könnte man also argumentieren, dass Mxolisi frei entscheidet, ob er an dem Angriff auf das Auto der Studenten und dem darauf folgenden Mord teilnimmt oder nicht.

Subjektive Darstellung durch Mandisa

Hinzu kommt im Roman die subjektive Darstellung durch Mandisa, von deren Blickwinkel aus der Leser die Handlung erfährt. Durch die Beschreibung der Lebenswelt des Täters erhält das Buch den Anschein der Rechtfertigung. Ob dies von Mandisa intendiert ist, oder ob das Buch gekonnt das Spannungsfeld dieser beiden Strömungen aufzeigt, bleibt wohl jedem Leser selbst überlassen.

Inhalt für Essays und Analysen

Eben dieses Spannungsverhältnis kann hervorragend für eine Analyse bzw. einen Vergleich herangezogen werden. So ergeben sich z.B. neue Vergelichsmöglichkeiten mit Romeo & Juliet: Inwiefern ist in Shakespeare’s Stück das Schicksal determiniert, u.s.w.

Wie du derartige Argumente in ein Essay oder eine Textanalyse/einen Textvergleich einbaust, lernst du übrigens in den Abitur Intensivkursen.


Lektüreschlüssel

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